Verantwortung richtig dosieren

Verantwortung richtig dosieren

Ein gesundes Mass an Verantwortung entsteht dort, wo Erwartungen klar sind, Handlungsspielräume real bestehen und Unterstützung verfügbar ist. Verantwortung ohne Einfluss oder Entlastung führt zu Überforderung. Neben strukturellen Bedingungen können individuelle Prägungen und gemachte Erfahrungen ausschlaggebend sein, ob Menschen dazu neigen, zu wenig oder zu viel Verantwortung zu übernehmen.

Die Übernahme von Verantwortung ist im Privaten und im Beruf wichtig, weil sie auf mehreren Ebenen positiv wirkt:

Auf sachlicher Ebene sorgt Verantwortung dafür, dass Aufgaben zuverlässig erledigt werden. Wer Verantwortung übernimmt, denkt mit, trifft Entscheidungen und fühlt sich für Ergebnisse zuständig. Das erhöht Qualität, Verlässlichkeit und Effizienz – gerade dort, wo nicht alles vorgegeben oder kontrolliert werden kann. 

Für private und berufliche Systeme schafft Verantwortung Vertrauen: Familienangehörige, Freunde, Kolleg:innen und Führungskräfte können sich darauf verlassen, dass jemand Aufgaben nicht nur „abarbeitet“, sondern wirklich trägt. Das erleichtert Zusammenarbeit, verteilt Lasten fairer und macht Systeme handlungsfähig.

Auf persönlicher Ebene ermöglicht Verantwortung Lernen und Entwicklung. Sie fördert Selbstwirksamkeit – das Gefühl, etwas bewirken zu können – und stärkt Kompetenzen wie Entscheidungsfähigkeit, Priorisierung und Reflexion. Menschen, die Verantwortung übernehmen dürfen und können, erleben ihr Tun oft als sinnvoller und motivierender.

Wichtig ist dabei, dass Verantwortung nur dann positiv wirkt, wenn die strukturellen und individuellen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Fehlende Klarheit über Zuständigkeiten und diffuse Erwartungen, unfaire Arbeitsverteilung und widersprüchliche Signale von emotionalen, sozialen oder funktionalen Bezugspersonen können sowohl Verantwortungsvermeidung als auch Überverantwortung fördern. Gleichzeitig führt Verantwortung – egal, ob sie angeboten, eingefordert oder stillschweigend übernommen wird – ohne Einfluss oder ohne Entlastung, also bei dauerhafter Aktivierung, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Überforderung. In überfordernden Situationen helfen meist weder mehr Disziplin noch eine bessere Selbstorganisation oder blosses Durchhalten. 

Entlastung und Balance entstehen durch Regulation – gemeinsam und individuell, denn häufig wirken strukturelle Bedingungen und persönliche Prägungen zusammen. Bei Letzteren sind es in der Regel nicht Wille oder Leistungsbereitschaft, die darüber entscheiden, ob Menschen dazu neigen, zu wenig oder zu viel Verantwortung zu übernehmen, sondern tiefere, meist unbewusste Ursachen. 

Menschen, die wenig Verantwortung übernehmen, haben oft gelernt, dass Eigeninitiative wenig Wirkung zeigt oder sogar negative Konsequenzen haben kann. Frühere Erfahrungen mit Kontrolle, Kritik oder Sanktionen können dazu führen, Verantwortung zu vermeiden, um sich zu schützen. Auch unklare Erwartungen, fehlende Entscheidungsspielräume oder eine Kultur, in der Fehler bestraft werden, begünstigen Rückzug und fördern eine Haltung von Passivität oder innerer Distanz.

Umgekehrt übernehmen Menschen zu viel Verantwortung häufig aus einem übersteigerten Pflichtgefühl heraus oder aus dem Wunsch, Sicherheit und Kontrolle herzustellen. Perfektionismus, hohe Selbstansprüche oder die Angst, andere zu enttäuschen, spielen dabei eine grosse Rolle. Auch biografische Prägungen – etwa früh Verantwortung übernehmen zu müssen – können dazu führen, dass jemand sich automatisch zuständig fühlt, selbst wenn es nicht sinnvoll oder gesund ist. 

Das wertorientierte systemische St.Galler Coaching Modell® fördert eine Bewusstwerdung der systemischen Zusammenhänge im Kontext der Übernahme von Verantwortung. Dabei kann durch ein Arbeiten an tieferen, unbewussten Persönlichkeitsteilen einer Verantwortungsvermeidung oder Überverantwortung gezielt entgegengewirkt werden.

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